Freiheit durch Loslassen: Auf nach Edinburgh!

Der folgende Beitrag ist Teil der Gastautorenreihe “Traust Du Dich?” auf doyoudare.de

von Kerstin Segeletz

Wir zelebrierten einen ausgiebigen Sonntagsbrunch in der „Green Oasis“. So nannten wir liebevoll meine quadratische Küche mit grünem Lümmelsofa. Mit frischen Brötchen vom letzten echten Bäcker im Ort,  duftendem Kaffee, bunten Frühstückseiern und gut gekühltem Sekt. Um nichts in der Welt wollten wir an den bevorstehenden Abschied denken. Aber die Wehmut war doch schon spürbar. Wir haben wie immer viel geredet an diesem Wochenende, aber doch längst nicht alles besprochen…

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Es brodelt im Sonntagsidyll

Viele Jahre war ich alleiniger Vorstand unseres erfolgreichen kleinen Familienunternehmens. Aber irgendetwas war anders geworden. Wir redeten jetzt viel über mich, wie es für mich beruflich weiter geht und wie wir zukünftig gemeinsame Zeiten erleben können. Mich zermürbte in letzter Zeit eine nicht definierbare Unzufriedenheit, eine fehlende Vision. Nur, mit Nörgelei wollte ich diesen besonderen Moment nicht zerstören.

Die Freiheit, Latte-Macciato-Oma zu werden!

Und dann sprach ich sie doch aus, meine zwei ganz besonderen Wünsche: Englisch „fluently“ lernen und eine richtige Latte-Macchiato-Oma werden! Natürlich ohne im Nachgang zu vergessen, über all die Punkte zu lamentieren, die das sowieso verhindern würden. Denn der Weg dorthin ging nicht über eine gut ausgeschilderte Bundesstraße. So viel war klar.

Mit Mach doch! hatte ich allerdings nicht gerechnet. Zwei Worte, so simpel und doch so bedeutsam. Den Zwischenton: „Traust dich sowieso nicht,“ wollte ich überhören. Aber es stimmte: Meine Bedenken lieferten mir ungefragt Ausreden. „Moment mal! So einfach ist das nicht…!”

Meine Tochter sagte: “Du bist doch frei!”

„Doch! Du bist frei,” meint meine Tochter. Du hast keine Verpflichtungen, die dich an diesen Ort binden. Schlimmstenfalls zahle ich dir den Rückflug und Du musst dann bei mir auf dem Sofa schlafen. Mehr kann dir nicht passieren.“

Ich lugte vorsichtig durch die Tür, an der ich immer wieder vorbei geschlichen bin.

Und auf einmal sprudelten unsere Ideen ähnlich dem Sekt und gedankliche Barrieren wurden übersprungen. Plötzlich wurde ein gesichertes Einkommen Nebensache, der Spargroschen die verlockende Reisefreiheit und die Wohnung nebst Hab und Gut zum Ballast.

Aber noch etwas sehr Entscheidendes ist an diesem Tag passiert. Das „Mach doch“ hat mich begreifen lassen, dass die Eltern-Kind-Abnabelung beidseitig vollzogen wird. Es war auch für mich an der Zeit loszulassen!

Auf nach Edinburgh!

Am nächsten Tag startete ich mit der Umsetzung. Wohnung auflösen, Verträge kündigen, Kontakt in Edinburgh anschreiben, und, und, und. Ich hatte plötzlich wahnsinnig viel zu tun und eine ganz neue Leideschaft entdeckt!

Nur drei Monate später war es dann endlich soweit: Auf nach Edinburgh!

EdinburghInzwischen arbeite ich stundenweise in einem Charity-Shop und gewöhne mich langsam an den schottischen Dialekt. Meine Kollegen unterstützen mich dabei sehr und nehmen mich ganz liebevoll an die Hand. So war ich z.B. schon zum Geburtstags-BBQ eingeladen und mit den Kollegen im Pub verabredet. Außerdem bekomme ich natürlich auch ganz viele Anregungen, was ich in Schottland nicht verpassen sollte. Mehr darüber erfahrt ihr auf meinem Blog Tumbleweed Travel!

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