Ich bin ein Work-a-Hippie: Jenseits von Globetrotter und Standardjob

Zwischen all den Blogbeiträgen der Backpacker, “Work-und-Traveller” und Digitalen Nomaden wird wohl jedem das Herz hin und wieder ein wenig schwer – vor allem, wenn der Urlaub noch in derart weiter Ferne ist. “Normales Leben” und trotzdem auch Job mit Abenteuer – geht nicht?  Vielleicht hast Du einfach nur noch nicht die zündende Idee gehabt. Dass es bestimmt eine Menge wahnwitziger Möglichkeiten gibt, um für Firma oder eigenes Unternehmen unterwegs zu sein, da bin ich mir verdammt sicher. Schließlich kannst Du heute im digitalen Zeitalter vielleicht bei Deiner Arbeit sogar beides haben – oder ganz einfach zwei verschiedene Jobs!

Wie echtes Abenteuer und Arbeiten zusammengehen – davon hatte ich bis vor einem guten Jahr noch wirklich keinen blassen Schimmer. Dabei war es immer mein großer Traum, einmal “zu schreiben” – nicht nur in der Wissenschaft, sondern vor allem auch über’s Reisen, journalistisch über die politische Lage in den Ländern, die ich bereisen und erleben würde und schließlich auch kreativ über das Neue, das “Sich-selbst-entdecken”. Dokumentarfilmer, Reisejournalistin, oder Horse-Wrangler? Derart exotische Beschäftigungen passen auf den ersten Blick einfach nicht zum im “9-to-5”-Job und gesicherter Zukunft. Heute habe ich mich für die Wissenschaft entschieden, eine Art Kompromisslösung. “9-to-5” – das ist die Arbeit in der Wissenschaft nämlich mit Sicherheit nicht – doch ist diese Tätigkeit trotzdem um einiges stetiger als ein Arbeitsleben “on the Road.” Als Nebenjob schreibe ich weiter für meine liebsten Blogs und nehme mir die Zeit für neue Abenteuer. (oder habe das zumindest vor) Ob sich die eine und die andere Welt also vielleicht doch vertragen, versuche ich nun seit einiger Zeit im Selbstversuch herauszufinden.

Es war einmal…oder: Wie alles begann!

Als mein heutiger Team-Kollege des ACME-Racing-Teams im Juni 2014 händeringend nach Mitfahrern für eine Charity-Rallye suchte, lag ich gerade im wahrsten Sinne des Wortes in den letzten Zügen meiner Doktorarbeit – und hatte wie alle in dieser Phase die “Ich-werde-nie-fertig!”-Panik. An kreatives Schreiben war zu diesem Zeitpunkt ganz sicher nicht zu denken – hatte ich doch noch derart viel “richtige” Schreibarbeit vor mir. Insgeheim wurde mir jedoch immer mehr bewusst, dass die Kombination aus Abenteuer und Überallarbeit, wie ich mir sie erträumte, für mich hieß, zu schreiben – schließlich war das ja auch sonst mein “täglich Brot” in der Wissenschaft. Um jedoch mit kreativen Texte zu beginnen war es einfach höchste Zeit – denn bald würde ich ja in einem regulären Job für derlei Experimente – echte Abenteuer, wie ich sie nannte, und frei-kreative Arbeit – keine Zeit mehr haben. Doch wie anfangen? Und noch viel wichtiger: Wie weiter machen? Wie oft hatte ich schon mit dem Stift in der Hand oder an der Tastatur gesessen, einige Seiten geschrieben, und es dann wieder sein lassen. Ohne eine Motivation, ein Publikum, macht das Schreiben einfach nur halb so viel Freude.

Wohl auch aus diesem Grund, hatte ich bis zum diesem Moment noch keine geschriebenen Zeile von mir außerhalb der Wissenschaft veröffentlicht (abgesehen von einem tieftraurigen Gedicht in einem Sammelband), geschweige denn jemals einen Cent mit dieser Art des Schreibens verdient. Doch der Moment in dem ich meinem Rallye-Kumpel schrieb: “Ich will dabei sein!”, sollte das alles ändern. Mit unserer 10.000 Kilometer Tour von Hamburg an’s Nordkap bis nach Russland fing ich endlich an zu schreiben – frei von der Leber weg und mit verdammt viel Spaß: Schwedischer Gammelfisch, Surfen im Polarmeer, Buckelpisten durch Russland – Jeder Rallye-Tag endete mit einem Beitrag über unsere Abenteuer. Ich hatte das Bloggen entdeckt!

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Alte Heimat und Liebe Berlin – Abschied Sommer 2014.
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Hallo neue Heimat Hannover…Winter 2014
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Winter 2015: Neue Heimat Hamburg!

 

Gibt’s was zu tun? Packen wir’s an!

Keine zwei Monate nach meiner Rückkehr ging es dann wieder für gut vier Monate nach Kanada. Erst mit Kanu und meinem geliebten 4×4 SUV “Jimmy” durch die “Rockies” und dann für einen Lehrauftrag an die Uni. Und mir wird klar: So viel Internationalität bietet Dir kaum ein Beruf, vor allem nicht bei weltweit vergleichbaren Arbeitsbedingungen. Da fehlte dann eigentlich nur noch hin- und wieder das ein oder andere Abenteuer, und die Möglichkeit, darüber zu schreiben. Bei meiner Rückkehr nach Deutschland Anfang 2015 kommt dann schließlich noch ein wenig Glück dazu: Für den neuen Tech- und Reiseblog “Bootblogger” (Bootblogger heißt jetzt Überallarbeiter!) wird eine feste Bloggerin gesucht! Nun beginnt tatsächlich meine Karriere als Reisebloggerin, denn ich kann regelmäßig über meine vielen Reisen berichten und lerne noch dazu viele neue Leute kennen. Über das Jahr schreibe ich für AirBerlin, die Reisesparte von Bunte und reise schließlich für Beachinspector nach Gran Canaria.

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Jimmy “on tour”…Sommer 2014
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…und als Pender-Mobil im winter morgens vor dem Weg zur Arbeit!

Das großartigste ist, dass ich heute, trotz festem Job, noch immer gerne und viel schreibe, über’s Reisen und Politik, für Blogs, für Magazine, für Geld und auch ohne, für den guten Zweck, für mich und für andere. Für 2016 ist sogar die nächste Rallye geplant – und ihr könnt live dabei sein, von Paris nach Dakhar bis in den Senegal! [Hier geht’s zum ersten neuen Rallye-Beitrag bei ueberallarbeiter.de] Gut 18 Monate, 17 Länder, und eine Abenteuer-Rallye (und gottseidank auch eine fertige Doktorarbeit) später weiß ich, dass es nie zu spät ist, Wünsche und Träume anzupacken. Und dafür brauchst Du nun wirklich kein neues Leben! Mach ihnen einfach Platz in dem Leben, das Du bereits hast. Denn: “Was immer DU tun willst – fang damit an!”

And…Enjoy the ride!

wave logo  Doyoudare.
         The Work-a-Hippie-Blog

3 thoughts on “Ich bin ein Work-a-Hippie: Jenseits von Globetrotter und Standardjob

  1. Hej Miriam!
    Schöner Beitrag, mega interessant, der Inhalt deiner letzten zwei Jahre! Ich schreibe witzigerweise grad was sehr ähnliches, da bei mir auch der Punkt gekommen ist, zu entscheiden wies weiter geht. Irgendwo sesshaft werden und es sich gemütlich machen, oder noch eine Weile on the road sein?! Mal schauen was kommt… Irgendwie ist das Jahresende immer so mit resümieren verbunden, gell?!
    Liebe Grüße,
    Rike

    • Liebe Rike! Dann bin ich schon sehr gespannt auf Deinen Beitrag! Wann geht’s wieder auf große Segeltour bei Dir?

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